Suche
Hauptinhalt
Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945

Alois Brandstetter: Zu Lasten der Briefträger. Roman (Residenz Verlag, 1974; 2004)

Lesung: Kurt Neumann

Referat: Klaus Zeyringer

Moderation: Klaus Kastberger

Ein Gemeinschaftsprojekt der Alten Schmiede, Wien, des StifterHauses, Linz, und des Literaturhauses Graz

Alois Brandstetters „Zu Lasten der Briefträger“ ist die lange Rede eines Mannes über beklagenswerte Zustände bei der Post und in der Welt. Indem die virtuose Handhabung rhetorischer Mittel Phrasen zur Kenntlichkeit bloßstellt, vermag die Gesellschaftskritik zugleich als Satire einer Gesellschaftskritik zu wirken und die alte rhetorische Form der Schimpfrede findet sich ironisch gebrochen. Mit seinem ersten Roman hat Brandstetter nicht nur eine originelle Prosa geschaffen, sondern auch eine für sein gesamtes Werk konstitutive Erzählform angewendet. Der tiefgreifende und gewitzte Zugang lässt gesellschaftliche Phänomene kritisch und satirisch im Lichte impliziter Sprachkritik erstehen.
Es tut gut, den Roman heute zu lesen. Nicht nur wegen des literarischen Genusses, sondern auch weil er eine Kommunikationswelt zeigt, wie sie in digitalen Zeiten nicht mehr besteht, und zugleich frühe Ansätze aktueller Miseren aufs Korn nimmt, die damals noch abzuwenden gewesen wären. (Klaus Zeyringer)


ALOIS BRANDSTETTER, geboren 1938 in Pichl bei Wels, lehrte als Professor für Deutsche Philologie an der Universität Klagenfurt. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Kulturpreis des Landes Oberösterreich 1980, Wilhelm-Raabe-Preis der Stadt Braunschweig 1984, Kulturpreis des Landes Kärnten 1991, Adalbert-Stifter-Preis (Großer Kulturpreis des Landes Oberösterreich, 2005). Zuletzt erschienen: „Zur Entlastung der Briefträger“, 2011; „Kummer ade!“, 2013; „Aluigis Abbild", 2015; "Lebenszeichen", 2018; „Lebensreise“, 2020.


KLAUS ZEYRINGER, geboren 1953 in Graz. Literaturwissenschaftler und -kritiker, Universitätsprofessor für Germanistik in Angers (Frankreich). Veröffentlichungen (u. a.): „Innerlichkeit und Öffentlichkeit. Österreichische Literatur der achtziger Jahre“, 1992; „Österreichische Literatur seit 1945. Überblicke, Einschnitte, Wegmarken“, 1999, 2008; „Eine Literaturgeschichte: Österreich seit 1650“, (mit Helmut Gollner), 2012.