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Montag, 17. Juni 2024 - 19:30
Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945

FRANZ TUMLER: Sätze von der Donau

Lesung: SABINE GRUBER

Referat: BERNHARD JUDEX

Moderation: KLAUS KASTBERGER

Flüsse und Ströme üben seit jeher eine besondere Faszination auf die Menschheit aus. Sie bilden nicht nur fruchtbare, ihre Landschaften prägende Lebensadern, sondern sind seit der Antike Symbole einer mythenreichen Vorstellungswelt. An diese knüpft auch der österreichische Schriftsteller Franz Tumler (1912–1998) mit seinen „Sätzen von der Donau“ (1964) an. Der in Versen gefasste „Aufsatz“ über den vermutlich europäischsten Strom, der in Deutschland entspringt und durch Österreich sowie über den Balkan ins Schwarze Meer fließt, setzt sich zum Ziel, „von dem was ein Fluß ist zu schreiben“. Als genauer Beobachter führt uns Tumler in seinem Prosagedicht nicht nur zurück in seine Kindheit und Erinnerungswelt, sondern nimmt uns mit auf eine Reise vom Ursprung des Flusses bis zu seiner Mündung. So wird die Donau gegenwärtig und spürbar zu einem lebendigen Geschichtsraum, in dem sich Natur- und Kulturgeschichte einschreiben.

FRANZ TUMLER, geboren 1912 in Gries bei Bozen, gestorben 1998 in Berlin. Sohn eines aus dem Vintschgau/ Südtirol stammenden Gymnasiallehrers, nach dem frühen Tod des Vaters 1913 Übersiedelung nach Linz. 1930-1938 Volksschullehrer. Mit der 1935 erscheinenden Erzählung „Das Tal von Lausa und Duron“ wird Tumler zu einem der wichtigsten Autoren der NS-Zeit. 1941 und 1944 Frontdienst. Nach Kriegsende lebt Tumler wieder einige Zeit in Oberösterreich, bevor er in den 1950er-Jahren endgültig nach Berlin übersiedelt. Kontakt mit Gottfried Benn, der Gruppe 47; die Erzählung „Der Mantel“, erschienen 1959, ist Beispiel für einen neuen Schreibansatz. Im Prosagedicht „Sätze von der Donau“, 1965, verbindet Tumler Kindheitserinnerungen, Geschichte und Stadttopographie, auch den Roman „Pia Faller“, 1973, siedelt er in Linz an. Nach einem Schlaganfall 1973 schreibt der Autor Lyrik.

BERNHARD JUDEX, Studium der Deutschen Philologie sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaften in Salzburg. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Thomas-Bernhard-Archiv in Gmunden (2006-2014), am Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich/StifterHaus (2014-2017), seit 2017 Senior Scientist am Literaturarchiv Salzburg. Publikationen zu Thomas Bernhard, Veröffentlichungen u. a. „Poetisches Wasser. Essays zur Literatur“, 2017.

SABINE GRUBER, geboren 1963 in Meran (Italien). Studium der Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft; lebt als freischaffende Autorin in Wien. Seit 1984 Veröffentlichung von Romanen, Gedichten, Erzählungen, Hörspielen und Theaterstücken. Rundfunksendungen und Hörspiele im ORF und in der RAI. Zuletzt erschienen: „Am besten lebe ich ausgedacht“, Journalgedichte, 2022; „Die Dauer der Liebe“, Roman, 2023.