Laura Freudenthaler erzählt in ihrem 2019 erschienenen, mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichneten Roman „Geistergeschichte“ von „Erschütterungen, die man nicht wahrnimmt, bis sich etwas weit genug verschoben hat, um zu fallen“. Die Pianistin Anne nimmt sich vom Unterrichten ein Jahr frei, um zum eigenen Spiel zurückzufinden und ein Lehrbuch zu schreiben. Doch bald gehorchen ihr die Hände nicht mehr, und statt eines Lehrbuchs entsteht ein anderer Text; sie hört und sieht die vermeintliche Geliebte des Mannes Raum ergreifen. Vertrautes wird unvertraut, Zeitebenen verschieben sich, Imagination und Wirklichkeit sind nicht zu trennen. Dabei zeichnet sich das Macht- und Besitzgefüge eines Paares ab, das sich nicht zuletzt im Umgang mit Sprache manifestiert. Was heißt da sein, wie präsent ist das Verlorene, das Imaginierte, was geschieht, wenn man das Heimliche als unheimlich erkennt? Der vielschichtige, vielfältig zu lesende Roman horcht in und hinter Wände, die durchlässig werden. (Brigitte Schwens-Harrant)
LAURA FREUDENTHALER, geboren 1984 in Salzburg, lebt in Wien. Studium der Germanistik, Philosophie und Gender Studies. Für ihren ersten Roman „Die Königin schweigt“, 2017, erhielt sie den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2018. Der Roman wurde zudem als bester deutschsprachiger Debütroman beim „Festival du Premier Roman“ 2018 in Chambéry ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche Preise,
u. a. Literaturpreis der Europäischen Union 2019, 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2020, manuskripte-Preis 2021, Anton-Wildgans-Preis 2024, Outstanding Artist Award für Literatur 2024, Reinhard-Priessnitz-Preis 2024, Christine Lavant Preis 2026 sowie Nominierung ihres Romans „Iris“ für den Österreichischen Buchpreis 2026.
BRIGITTE SCHWENS-HARRANT, geboren 1967 in Wels, studierte und promovierte in Wien. Feuilletonchefin der Wochenzeitung „Die Furche“. Von 2020 bis 2026 Jurorin für den Ingeborg-Bachmann-Preis. Seit 2007 diverse Lehraufträge an den Universitäten Innsbruck, Salzburg und Wien. Österreichischer Staatspreis für Literaturkritik 2015.
KLAUS KASTBERGER, geboren 1963 in Gmunden, seit 2015 Professor für Neuere Deutsche Literatur am Franz-Nabl-Institut der Universität Graz. Von 2015 bis 2026 Juror für den Ingeborg-Bachmann-Preis.