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Wir trauern um Friedrich Ch. Zauner (1936–2022), Preisträger des Oö. Landeskulturpreises für Literatur.

Friedrich Ch. Zauner

Ein Nachruf der Rainbacher Evangelienspiele 

 

Friedrich Ch. Zauner, eine der wichtigen Stimmen der oberösterreichischen Literatur, ist nach kurzer Krankheit am Mittwoch, 30. November, im Alter von 86 Jahren in Schärding verstorben.

Zu seinen herausragenden Leistungen zählt der vierbändige Romanzyklus „Das Ende der Ewigkeit“(1992-1996) – „Im Schatten der Maulwurfshügel“, „Und die Fische sind stumm“, „Früchte vom Taubenbaum“, „Heiser wie Dohlen“ – eine mit leidenschaftlicher Akribie recherchierte und meisterhaft erzählte Chronik über das Innviertel, seine Heimatregion, zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Karl-Markus Gauss schrieb 2016: „Wie Friedrich Ch. Zauner da die Geschichte der kleinen Welt von Oed, Thal, Fegfeuer und Hinterm Wald, vier Innviertler Weilern am Rande der Zivilisation, mit der großen Geschichte, mit Wirtschaftskrisen, Kriegen, sozialen Verwerfungen, technologischen Entwicklungen zu verbinden wusste, das war große Erzählkunst, so viel war mir sofort klar.“

Geboren 1936 in Rainbach im Innkreis wuchs Zauner im Schatten des 2. Weltkriegs auf. Der Vater, ein sozialdemokratischer Handwerker, blieb ihm ein Unbekannter, denn er starb jung als Kanonenfutter in Hitlers Russlandfeldzug. Die Mutter, eine Kleinstbäuerin, brachte sich und den Sohn alleinerziehend mit großer Willenskraft und einer gehörigen Portion Tüchtigkeit durch die Hungerjahre.

Die für ihn erträumte Lehrerkarriere hängte Friedrich Zauner nach Studienjahren in Wien und Rom jedoch rasch an den Nagel, um sich seiner großen Passion, dem Schreiben zu widmen. Er kehrte mit seiner Frau Roswitha, die als Lyrikerin und Kinderbuchautorin ihren eigenen literarischen Weg gehen würde, im Jahr 1965 in das Vaterhaus nach Rainbach zurück, um fortan als freier Autor zu leben. Abseits der literarischen Zentren folgte er seinem eigenen schriftstellerischen Stern, der nicht immer den Geschmack der Zeit traf. Doch genau dieses Suchen nach dem eigenen „Stoff“ ließ ihn schließlich zu einem Solitär in der oberösterreichischen Literaturszene werden.

So veröffentlichte er den atmosphärisch dichten Sauwaldkrimi „Dort oben im Wald bei diesen Leuten“ im Jahr 1981, also zu einer Zeit, als das Genre noch nicht den Kulturmainstream erreicht hatte und Regionalflair nicht das Gebot der Stunde war. Im Jahr 2004 – im Alter von fast siebzig Jahren – entschied sich der Autor gemeinsam mit seiner Frau, im Heimatort ein eigenes Theaterfestival zu begründen: die Rainbacher Evangelienspiele, ein Gesamtkunstwerk aus Schauspiel, Musik und Tanz.

Grundstein für dieses wagemutige Unterfangen waren 17 Theaterstücke, die Zauner im Lauf der Jahre verfasst hatte. Ihn hatten die Bibelstoffe, die er als Kind verschlungen hatte, so nachhaltig beeindruckt, dass er einige „Stoffe“ in eine dramatische Form brachte. „Ich las die Bibel unbekümmert wie ein grandioses, geheimnisvolles, historisches Gemälde, eine unerschöpfliche Sammlung von Geschichten voller Weisheit und Poesie, voller Zartheit und Grausamkeit“, so Friedrich Ch. Zauner.

Und wider Erwarten und gegen alle Regeln begannen sich die Spiele zu etablieren und bringen jedes Jahr Tausende aus ganz Österreich und dem angrenzenden Bayern in des kleine Sauwalddorf Rainbach. Seit 2009 werden die Stücke nunmehr in einem eigens für das Festival errichteten Theaterstadel aufgeführt. Im Juni 2023 steht das Stück „Ruth“ auf dem Programm: eine Geschichte über das Fremdsein und das Fremde; darüber hinaus erzählt „Ruth“ auch eine ganz unwahrscheinliche, eine unerwartete, zarte Liebesgeschichte.

Seinen Abschied von dieser Welt hat sich Zauner übrigens bereits 2003 auf den Leib geschrieben. In dem feinst geschliffenen Langgedicht „Als er anklopfte, der mit seiner Knochenhand“ wird dem „Ich“ die eigene Sterblichkeit mit einem Schlag unvermittelt bewusst gemacht. Als erste Reaktion kommt selbstverständlich das „Warum ich“ und ein Unverständnis dafür, dass das Leben ringsum unbeeindruckt weiter läuft. Was folgt, ist ein in seiner Zwangsläufigkeit beklemmend unerbittliches Ringen bis zur schließlichen Kapitulation und Akzeptanz der eigenen Endlichkeit.