Das Archiv, sein grundsätzliches Verhältnis zu Literatur und seine unterschiedlichen Ausformungen als Speicher des kulturellen Gedächtnisses stehen im Mittelpunkt der vierten Tagung der Reihe „Literatur und Archiv“, die das Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung der Universität Graz gemeinsam mit dem Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich veranstaltet.
Das institutionelle Selbstverständnis von sammelnden Einrichtungen, daraus abgeleitete Sammlungsstrategien und die Eigendynamik von Beständen prägen und beschäftigen Archive ebenso wie besondere Formen der Bestandsnutzung, die ihrerseits Konsequenzen in Hinblick auf Aufbewahrung, Aufarbeitung, Sicherung oder auch Skartierung haben. Was bedeutet es, wenn ein Archiv nur einer Bestandsbildnerin gewidmet ist, wenn sich Nachlasseinheiten in Bibliotheken musealer Institutionen, in Depots akademischer Einrichtungen oder in Verwaltungsarchiven finden? Welche produktiven Beziehungen zwischen Teilen der Sammlungen können so entstehen, welche werden verdeckt?
Die Tagung „Logiken der Sammlung“ will über die Beschäftigung mit unterschiedlichen Sammlungseinrichtungen und ihren jeweils spezifischen Herausforderungen mögliche Schnittstellen und Anknüpfungspunkte aufzeigen und so Gemeinsamkeiten und Differenzen der archivischen Formationen in den Mittelpunkt rücken.
Donnerstag, 25. April 2019
9:00–10:30 Uhr:
Christian Benne (Universität Kopenhagen)
Naiver Realismus? Zur Gegenständlichkeit des Sammelns
Moritz Baßler (Universität Münster)
Die kulturpoetische Funktion des Archivs
11:00–12:30 Uhr:
Kai Sina (Universität Göttingen)
Transatlantisches Nachlassbewusstsein: Saul Bellows Notate zu Goethe
Dominik Srienc (Robert-Musil-Institut für Literaturforschung/Kärntner Literaturarchiv, Klagenfurt)
Kleine Literaturen – kleine Archive? Zur Lesung und Sammlung der Kärntner slowenischen Literatur
14:30–16:00 Uhr:
Cornelia Sulzbacher (OÖ. Landesarchiv)
Das OÖ. Landesarchiv – eine Entdeckungsreise
Johannes John (Bayerische Akademie der Wissenschaften)
Archiv und Politik – Zu Stifter-Handschriften in Prag, Linz, München
und Genf
16:30–18:00 Uhr:
Monika Mayer (Belvedere, Wien)
Gestapo/Führermuseum Linz/Central Collecting Point München/Österreichische Galerie/Restitution. Zur Geschichte der Kunstsammlung von Mathilde und Gottlieb Kraus in Wien
Joachim Förster (Stasi-Unterlagen-Archiv, Berlin)
Sammlung zur Repression – Zugang als demokratisches Recht. Die Nutzung der Stasi-Unterlagen der ehemaligen DDR
Freitag, 26. April 2019
9:00–10:30 Uhr:
Stephan Gaisbauer (Adalbert-Stifter-Institut, Linz):
Die Konservierung der Töne. Ein Archiv für gesprochene Sprache
Friedrich Buchmayr (Stift St. Florian, Bibliothek)
Einblicke in klösterliche Archive und Bibliotheken am Beispiel von St. Florian
11:00–12:30 Uhr:
Li Gerhalter (Universität Wien/Sammlung Frauennachlässe)
Selbstzeugnisse sammeln: Eigensinnige Logiken und vielschichtige Interessenslagen
Sabine Folie (Valie Export Center Linz)
Idiosynkrasie und Systematik in Künstler_innenarchiven. Fallbeispiel: VALIE EXPORT Center Linz