Sich die Welt erschreiben bedeutet auch, sich selbst wie in einem Koordinatensystem der vielfältigen Möglichkeiten des Mensch-Seins zu verorten. Schreibende beziehen mit ihrem Werk immer Positionen, sei es ästhetisch, philosophisch, kulturell oder politisch. Sie setzen sich an einem Punkt des Koordinatensystems fest, der ihre Werte spiegelt, ihre Ziele definiert und ihnen Antworten auf Sinnfragen gibt. Ob diese Positionierung und das Aneignen bestimmter Welthaltungen immer intentional erfolgt, ob sich Ansichten im Laufe der Zeit in Einsichten wandeln und Änderungen im eigenen Leben, Denken und Schreiben hervorbringen und ob die Reflexion über das geschaffene Werk für das Leben fruchtbar oder eher hinderlich ist, diesen Fragen wird in der Reihe „leben. denken. schreiben.“ im Gespräch mit österreichischen Autor:innen sowie anhand ihres Werks und ihrer Biografie nachgespürt.
DORON RABINOVICI, 1961 in Tel Aviv geboren und in Wien aufgewachsen, ist Schriftsteller sowie Historiker. Sein Werk umfasst Kurzgeschichten, Romane und wissenschaftliche Beiträge. In Österreich hat er sich immer wieder prominent gegen Rassismus und Antisemitismus positioniert. Für sein Werk wurde er zuletzt mit dem Anton-Wildgans-Preis 2010 und dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln 2015 ausgezeichnet. 2022 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen und Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Publikationen u. a.: „Die Außerirdischen“, 2017, „Alles kann passieren! Ein Polittheater“, 2018, „I wie Rabinovici. Zu Sprachen finden“, 2019, „Die Einstellung“, 2022.
MICHAEL KERBLER, geboren 1954 in Wien. Er war als Journalist u. a. für „Die Presse“ tätig und gehörte in unterschiedlichen Funktionen fast 40 Jahre dem ORF an. In den 80ern arbeitete er als Auslandskorrespondent, bis 1994 als Reporter in den Krisengebieten Ostafrikas, den arabischen Staaten, im Iran und in der DDR. Zwischen 2003 und 2013 leitete Michael Kerbler die Ö1-Sendereihe „Im Gespräch“. Zu seinen Gesprächspartner:innen zählen Václav Havel, Peter Handke, Olga Neuwirth, Günter Grass, Margarete Mitscherlich, Christoph Schlingensief, Martin Walser, Stéphane Hessel oder der Dalai Lama.